Bank muss Zinsen nachzahlen

Vor dem Amtsgericht Frankfurt wurde eine Bank dazu verurteilt, einem Kunden für die letzten Jahre insgesamt 2.100.- € Zinsen nachzuzahlen. Die Bank hatte es nach Ansicht des Gerichtes versäumt, den Kläger in entsprechender Form auf die Reduzierung des ursprünglich vereinbarten Zinssatzes hinzuweisen.
Edit am 07.07.2014 : AZ: 30 C 3499/13 (24)

Folgender Sachverhalt liegt dem Urteil zugrunde: Im Jahre 1998 schloss der Kunde bei seiner Bank einen Vermögens-Sparplan ab. Vereinbart wurden monatliche Sparraten, sowie ein variabler Zins von zunächst 3,5% pro Jahr. Im Laufe der folgenden Jahre reduzierte die Bank diesen Zins immer mehr, folgend dem allgemeinen Trend auf dem Kapitalmarkt. Auf dem Konto hatten sich trotzdem bis Ende des Jahres 2013 knapp 11.000.- € angesammelt – Zu wenig nach Ansicht des Kunden, der mit mehr Zinsen gerechnet hatte.

Er warf der Bank vor, man habe ihn nicht in entsprechender Form (z.B. persönliches Anschreiben oder deutlich sichtbarer Aushang in den Geschäftsräumen der Bank) auf diese mehrfach erfolgten Zinssenkungen hingewiesen. Die Bank dagegen war der Ansicht, ausreichend informiert zu haben: In der Kundenzeitschrift, im Internet und in Merkblättern mit den neuen (gesenkten) Zinssätzen  sei ausreichend darauf hingeweisen worden. Auch die Einschaltung des Ombudsmannes konnte die Bank nicht zu einem Einlenken bewegen. Vermutlich sah man hier eine ganze Reihe solcher Ansprüche als Folge auf sich zukommen.

Das Frankfurter Amtsgericht war allerdings der Ansicht, dass die Bank ihren Informationspflichten nicht ausreichend nachgekommen sei. In ihren eigenen Geschäftsbdingungen sei klar geregelt, dass Veränderungen des Zinssatzes deutlich sichtbar in den Geschäftsräumen auszuhängen seien. Ein Informationszettel oder eine Info auf der Internetseite sei kein Ersatz dafür, erst recht nicht für eine persönliche Information des Sparers.  Da somit die Zinssatzänderungen nicht ordnungsgemäß bekannt gemacht wurden, gelten sie als nicht vollzogen: Die Bank hat dem Sparer den alten Zinssatz zu zahlen und muss jetzt Zinsen für ca. 14 Jahre nachzahlen.

Ein – wie ich finde – sehr interessantes Urteil! Prüfen Sie doch zuerst einmal, ob Sie evtl. selbst davon betroffen sind, wenn Sie einen solchen Sparplan bei Ihrer Bank abgeschlossen haben und geben Sie diese Information an Ihre Freunde und Bekannten weiter! Das Aktenzeichen reiche ich nach, sobald ich es vorliegen habe.

Edit am 17.07.2014:
Dank eines freundlichen Richters habe ich zwischenzeitlich das Urteil vorliegen. Hier das AZ: 30 C 3499/13 (24)
Herzlichen Dank dafür nach Frankfurt.

Ich finde, jeder, der einen solchen Sparplan laufen hat, sollte vor diesem Hintergrund einmal prüfen (lassen), ob man nicht ebenfalls Ansprüche gegen seine Bank erheben kann.
Viel Erfolg!

Hat Ihnen der Artikel geholfen?

Share on facebook
Teilen auf Facebook
Share on twitter
Teilen auf Twitter
Share on linkedin
Teilen auf Linkdin
Share on xing
Teilen auf XING

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Kategorien

[newsletter_signup]Den Newsletter abonnieren[newsletter_signup_form id=1][/newsletter_signup]