Kritischer Blick auf die Gehaltsabrechnung kann sich lohnen

Wie in jedem Jahr gab es auch zum 01.01.2019 einige Änderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese betreffen z.B. die JAEG (Jahresarbeitsentgeltgrenze), die BBG (Beitragsbemessungsgrenze) und diverse Prozentsätze zur Berechnung des Beitrages. Warum es sich gerade in diesem Jahr lohnt, einmal genauer hinzuschauen und die Auswirkungen auf den eigenen Vertrag zu prüfen, erläutere ich Ihnen gerne.

 

Was hat sich zum 01.01.2019 geändert?

Zunächst einmal erhöht sich zum Jahresbeginn die JAEG (Jahresarbeitsentgeltgrenze): 60.750.- € Jahresbrutto müssen auf dem Gehaltszettel für 2019 stehen, damit man sich auf Antrag privat versichern darf. Verdienen Sie weniger, sind Sie pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – ein Wechsel in die PKV (Private Krankenversicherung) ist dann nicht möglich. 
Immer wieder taucht hierbei die Frage auf, welche Einkommensbestandteile eigentlich auf diese Grenze anzurechnen sind. Hier helfen meine Check-Listen weiter:

In einfachen Fällen reicht ein Quick-Check aus, (Hier Downloaden) – wird es dagegen ein wenig komplizierter (Dienstwagen, Überstunden, betriebliche Altersversorgung etc.) versuchen Sie es mal mit dieser Checkliste.(Hier downloaden)

Zudem wurde die BBG (Beitragsbemessungsgrenze) für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung erhöht.

Von Ihrem Einkommen werden bis zu maximal 54.450.- € jährlich (= 4.537,50 € monatlich) zur Bemessung des zu zahlenden Beitrages herangezogen – was drüber liegt, bleibt unberücksichtigt.

Diese Erhöhungen erfolgen eigentlich schon seit Jahren mit schöner Regelmässigkeit und bewirken eine schleichende Erhöhung des maximalen Beitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Neben diesen Erhöhungen bei BBG und JAEG gab es dieses Jahr aber auch bei den Beitragssätzen zum Teil erhebliche Veränderungen:

Der Beitragssatz für die gesetzliche Pflegepflichtversicherung wurde von 2,55 % auf 3,05 % erhöht.
Auch hier gilt 50/50: Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen jeweils die Hälfte.
(Kinderlose zahlen 0,25% mehr, ohne Beteiligung des Arbeitgebers – daran hat sich auch in 2019 nichts geändert!)

Unverändert blieb dagegen der Beitragssatz für die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) bei 14,6 %. Allerdings gab es in 2019 noch eine gravierende Änderung, die eigentlich auch der Anlass zu diesem Blog-Beitrag ist:

Paritätische Finanzierung

Hinter diesem banal klingenden Begriff verbirgt sich einiges, das man wissen sollte, egal, ob man nun gesetzlich oder privat krankenversichert ist. Gerade für privat Versicherte hat das erhebliche finanzielle Auswirkungen!

Bis Ende 2018 war die Finanzierung des Beitrages zur Pflege- und Krankenversicherung wie folgt geregelt:
Jede Krankenkasse hatte einen Beitragssatz von 14,6 % – dieser wurde zu 50/50 zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geteilt. Darüber hinaus konnte jede Krankenkasse einen individuellen Zusatzbeitrag erheben (liegt je nach Kasse zwischen 0,3% bis 1,7%). Dieser kassenindividuelle Zusatzbeitrag war vom Arbeitnehmer alleine zu tragen – der Arbeitgeber hat sich nicht daran beteiligt!

Dies änderte sich zum 01.01.2019 mit der Wiedereinführung der paritätischen Finanzierung:
Auch kassenindividuelle Zusatzbeiträge werden nun zur Hälfte vom Arbeitgeber mit getragen. Also eine deutliche Verbesserung für den gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmer.

Und wie ist das bei privat Versicherten?

Spannend wird es jetzt allerdings an dieser Stelle für alle, die in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind:
Diese kennen ja keinen individuellen Zusatzbeitrag! Stellt sich jetzt natürlich die Frage, bis zu welcher Höhe sich nun der Arbeitgeber zu 50% an den tatsächlich entstehenden Kosten für die private Krankenversicherung beteiligt?

Hier hat der Gesetzgeber festgelegt, dass dabei der sog. Durchschnittliche Zusatzbeitrag berücksichtigt wird. Hierbei handelt es sich um einen Wert, der jedes Jahr aufgrund der geschätzten Rahmenbedingungen der GKV vom Bundesministerium für Gesundheit festgelegt wird. Für das Jahr 2019 wurde dieser Wert auf 0,9 % festgesetzt.

Im Ergebnis bedeutet das für einen Angestellten, der oberhalb der JAEG verdient, folgende mögliche monatliche Beteiligung seines Arbeitgebers an den Beiträgen zu seiner privaten KV:
50% von 14,6% von der BBG = 7,3 % von 4.537,50 € =  331,23 €
Hinzu kommen jetzt noch 50% von 0,9% von der BBG = 0,45% von 4.537,50 € = 20,41 €

Zusammen also ein maximal möglicher steuerfreier Zuschuss zur Krankenversicherung von 351,66 € monatlich – nur für die Krankenversicherung. (Pflegeversicherung wird separat berechnet)

Im Vergleich zu 2018 (hier lag der max. AG Zuschuss bei 323,02 €) eine ganz ordentliche Erhöhung um über 28.- € monatlich. Heißt im Klartext: Ihr Arbeitgeber beteiligt sich mit bis zu 28.- € monatlich mehr am Beitrag zu Ihrer privaten Krankenversicherung!

Tipp 1:

Wenn Sie also privat versichert sind und Ihr Beitrag zur PKV mehr als 703,32 € beträgt (nur auf die KV bezogen, Pflegeversicherung ist extra zu berechnen) sollten Sie unbedingt prüfen, ob Ihr Arbeitgeber die o.g. 0,9% auch berücksichtigt hat, also die vollen 351,66 € steuerfreien Zuschuss zur privaten KV zahlt. (Mir liegen zwei Abrechnungen aus meinem Kundenkreis vor, wo dies nicht der Fall war und  erst nachträglich korrigiert wurde, nachdem der Versicherte auf mein Anraten hin „gemeckert“ hat!).

Tipp 2:

Sind Sie privat versichert und Ihr monatlicher Beitrag für die private Krankenversicherung liegt unterhalb der
703,32 €
? (ohne Pflegeversicherung gerechnet!) Dann sollten Sie einmal prüfen, ob Sie diese knapp 28.- € zusätzlichen, steuerfreien Arbeitgeberzuschuss nicht in einen zusätzlichen Baustein investieren, der Ihnen im Alter eine Entlastung im Beitrag garantiert. Hier kann man nämlich mit 56.- € monatlich (50/50 Arbeitnehmer/Arbeitgeber) schon einiges bewirken. Derartige Tarife haben eigentlich alle privaten Krankenversicherer im Angebot – alle können ohne erneute Gesundheitsprüfung auch nachträglich vereinbart und ggfls. auch wieder reduziert werden! Alternativ – wenn die Gesundheitsumstände das zu lassen – kann auch eine Verringerung eines evtl. vereinbarten Selbstbehaltes eine gute Lösung bieten.

Mit anderen Worten: Nehmen Sie einfach die positiven Änderungen zum Anlass, wieder einmal die Gestaltung Ihrer privaten Krankenversicherung auf den Prüfstand zu holen – es kann sich finanziell lohnen!

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